DER VIZSLA HEUTE …

 

Ein Vizsla in Deutschland … – das war vor gar nicht allzu langer Zeit noch so etwas wie der von Sting besungene „Englishman in New York“: der hatte einen Akzent, trank Tee statt Kaffee und wunderte sich über die Sitten und Gebräuche der anderen… Kurz: Er war ein Außenseiter.

 

Vizsla waren in Deutschland früher tatsächlich Exoten. Heute nicht mehr: Wenn Sie mal an einer Prüfung des VUV teilnehmen, dann werden sie dort eine Menge Hundeführer mit Fleecejacken und T-Shirts sehen: vorne ist das Vereinslogo aufgestickt, hinten der Satz „Geboren, um zu jagen.“ Das ist kein Vereinsmotto. Es ist eher ein Bekenntnis der mittlerweile immer zahlreicher werdenden begeisterten Vizsla-Führer, die mit ihren Hunden täglich im Revier sind und sie auf der Jagd erleben.

 

Tatsächlich sind die Zeiten, in denen einem Vizsla-Führer auf der Jagd schon morgens beim Sammeln der Jäger Spott und Häme entgegenschlugen, weitgehend vorbei. Natürlich gibt es noch immer den einen oder anderen „Rüdemann“ der über den Vizsla auch rüde redet, viel größer aber ist die Zahl der Jäger (auch die „vom alten Schlag“), die ihre über Jahre gepflegten Vorurteile gegenüber dem Ungarn abbauen und zugeben, dass sie bei richtiger Führung den Vergleich mit anderen Jagdhunden nicht scheuen müssen.

 

Wie’s kommt? Nun, der Erfolg hat viele Väter. Ganz wichtig: Die Hunde sind besser geworden. Gute Züchter und engagierte Führer haben dafür gesorgt, dass Schwächen der Vergangenheit ausgebügelt wurden. Früher hieß es oft „Vizsla gehen nicht ins Wasser.“ Oder: „Sie kleben dem Führer am Bein.“ Oder auch: „Ihnen fehlt jede Schärfe.“ Und ganz ehrlich: Das war oft auch so.

 

Und das konnte es früher auch nicht geben. Denn verglichen mit den deutschen Jagdhunde-Rassen kommen Vizsla aus einer ganz anderen Welt. Ihre Geschichte ist viel älter, die jagdlichen Anforderungen waren andere. Sie sollten in der Pussta Niederwild suchen, es vorzustehen bis die Jäger mit ihren Falken und mit Netzen heran waren.

Erst als um 1750 die ersten Doppelflinten auf den Markt kamen,  brauchte man auch Apporteure – und genau so wird der Vizsla heute auch noch in Ungarn eingesetzt: Er soll Fasane suchen, vorstehen und nach dem Schuss bringen.

 

In Deutschland war und ist das alles ein wenig anders. Denn so spät man hier mit der Zucht eigener Jagdhunderassen begonnen hat (die ersten Rassestandards für den Deutsch Kurzhaar wurden erst 1879 festgelegt, für den Deutsch Drahthaar sogar erst 1908), so gründlich ist man die Sache angegangen. Man wollte einen vielseitigen Jagdgebrauchshund züchten, einen Alleskönner,  der sucht, stöbert, vorsteht und apportiert, der auf Schweiss arbeitet und ohne zu zaudern packt und hält. Einen, der das Raubwild würgt und am Wasser so gut ist wie im Wald und auf dem Feld. Kurz: Einen Hund für alle Fälle!

 

Das ist ein hoher Anspruch, in den die erst in den 60er-Jahren nach Deutschland gekommenen Vizsla erst hineinwachsen mussten. Doch dank sorgfältiger Züchter und engagierter Führer sind sie es. Egal ob am Wasser, im Feld oder im Wald, bei richtiger Führung steht die Leistung eines Vizsla heute hinter keinem anderen Vollgebrauchshund zurück.

 

Ihre Leistungen auf der Jagd und ihre Fähigkeiten als Teamplayer, die sie sich aus ihrer „Pussta-Zeit“ erhalten haben, sind der Grund, warum die Hunde auch bei Jägern immer beliebter werden. Und weil Hunde heute nicht nur Jagdgehilfen, sondern vor allem Familienmitglieder sind, sagen immer mehr Jäger: „Einmal Vizsla, immer Vizsla!“

Und um noch mal auf den „Englishman in New York“ zurückzukommen: Als der 1988 geschriebene Song raus kam, schaffte er es nirgendwo in die Charts. Und heute? Kennt ihn fast jedes Kind. Fast wie beim Vizsla …